Digital-Gipfel 2018: Vor allem die Menschen auf dem digitalen Weg mitnehmen



Der Digitalgipfel 2018 Anfang Dezember war politisch hochkarätig besetzt. Zum Schwerpunkt-Titel „Künstliche Intelligenz – ein Schlüssel für Wachstum und Wohlstand“ hatte das Bundeswirtschaftsministerium für 2 Tage nach Nürnberg geladen.

Neben Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel nahmen Forschungsministerin Anja Karliczek, Justizministerin Dr. Katarina Barley, Verkehrsminister Andreas Scheuer und Arbeitsminister Hubertus Heil sowie der Ministerpräsident von Bayern, Dr. Markus Söder, teil.

Wandel in der Gesellschaft zu erwarten

Ein Großteil der Diskussionen drehte sich um den Wandel in der Gesellschaft, den die modernen Technologien auslösen. Ob das Buzzword „künstliche Intelligenz“ oder „maschinelles Lernen“ heißt, war dabei egal. Wie schon zur Zeit der Industrialisierung haben viele Menschen in Deutschland vor allem Angst auf der Strecke zu bleiben. Dabei besteht die Angst weniger darin, das neueste Smartphone nicht bedienen zu können. Es geht vielmehr um den Wert des Menschen in der Gesellschaft, wenn viele (einfache) Tätigkeiten bald vollständig von selbstlernenden Maschinen und Robotern übernommen werden. Was wird dann aus diesen „nicht mehr benötigten“ Menschen?

Die Diskussion ist nicht neu. So war man sich auf dem Digital-Gipfel einig, dass mit jeder großen Technologie-Welle neue Berufe entstehen und alte entfallen. Durch die Elektrifizierung der Straßenlaternen verschwanden die Gaslaternen-Anzünder. Die Mitarbeiter wurden dann in der Leitstelle gebraucht. In der automatischen U-Bahn in Kopenhagen gibt es keine Fahrer mehr – die Mitarbeiter arbeiten nun im Service und im Sicherheitsdienst. Lassen sich diese Menschen aber einfach umschulen? Kann man den Menschen einfach einen neuen Beruf vorsetzen?

Die Antwort heißt Bildung

„Alles was digitalisiert werden kann, wird in Zukunft digitalisiert werden“, sagte Angela Merkel beim Digital-Gipfel. Der Trend ist also unumkehrbar. Deutschland muss sich sofort auf diese Veränderungen einstellen – indem schon in der Schule, Berufsschule und der Ausbildung so gelehrt wird, dass digitaler Wandel abstrahiert und richtig gewertet werden kann.

Der Elektriker-Beruf wird in Zukunft verstärkt Fähigkeiten aus der IT-Welt voraussetzen. Smart-Home-Systeme wie der KNX werden nicht nur mit Kabeln und Klemmen verdrahtet. Die virtuelle Verkabelung erfolgt am PC und wird programmiert. Wenn dann noch Anlagen zum Laden von Elektrofahrzeugen an der heimischen Wallbox inkl. intelligentem Lastmanagement vom Elektriker installiert werden sollen, wird es kompliziert für den alteingesessenen Elektrotechniker, der bisher sein Geld mit Wechselschaltungen verdiente.

Technologie Hand in Hand mit der Politik

Auf dem zweitägigen Gipfel-Event ging es nicht nur um Politik, der erste Tag war vor allem von fachlicher Diskussion geprägt.

Das Dachthema „künstliche Intelligenz“ bot dabei Gelegenheit, auch auf Technologien zur Vernetzung des digitalen Alltags einzugehen. So brachte Chief Innovation Officer der Deutschen Telekom, Claudia Nemat, den Konferenzraum in Bewegung mit einer Folie zu falschen Thesen bzgl. 5G und KI. Auch über die Aussage: „In Asien und den USA sei alles besser“ führte sie aus, warum Deutschland sehr wohl vorne mitspielt – solange wir es jetzt anpacken und es ernst meinen mit der Digitalisierung.

Ein Streitthema: digitale Ethik

Wenn selbstlernende Systeme aus historischen Daten Vorhersagen erstellen können, dann hilft das bei der Spracherkennung und anderen sinnvollen Bereichen. Was passiert aber, wenn Daten aus vielen verschiedenen (privaten) Quellen aggregiert werden und diese Kombination ethisch nicht vertretbare Vorhersagen erzeugt, auf dessen Basis dann wichtige Entscheidungen getroffen werden?

Insbesondere wenn es um sehr persönliche Daten geht, sollte die Verarbeitung von diesen Daten Grenzen haben. Nicht alles was technisch möglich ist, ist humanistisch und ethisch unbedenklich.

 


Fotos: TrendJam
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